Sonntag, 20. Juni 2010

Kambodschanische Kultur, auf Chinesisch

Nach einigen Tagen in Angkor kommt wohl für jeden der Zeitpunkt, wo man keine einzige Tempelruine mehr sehen will. Aber es gibt es auch andere kulturelle Attraktionen in Siem Reap. Zum Beispiel das Cambodian Cultural Village. Hier kann man viel über Kultur lernen, allerdings am wenigsten über die kambodschanische.

Regionaltypische Häuser, Disneysauber, sind jeweils um eine Bühne herum gruppiert, wo dann zweimal täglich junge Frauen in tradtitionellen, bonbonfarbenen Lycrakostümen traditionelleVolkstänze aufführen, zu traditioneller Musik, die allerdings verdächtig nach Schuberts Forellen Quintet klingt, gespielt auf chinesischen Instrumenten.

Es gibt auch einen bildungserzieherischen Teil, ein kleines Museum. Die Beschilderung sagt schon alles, und das soll sie ja auch: Chinesisch an erster Stelle, an zweiter Kambodschanisch. Englisch nur mal hier und da, notgedrungen, denn die gibt es ja auch noch, diese lästigen Englischsprechenden.

Und schließlich, immer mein Favorit, Episoden aus der Landesgeschichte mit Wachsfiguren. Hier kommt sogar ein Europäer vor: eine rührende Szene, in der ein riesiger, Frankenstein-ähnlicher weißer UN-Soldat engumschlungen mit einer knuffigen, stark geschminkten Kambodschanerin tanzt. Das hat soviel Platz beansprucht, dass man die (chinesisch unterstützten) Roten Khmer leider ganz weglassen musste.

Eine Szene fand ich jedoch besonders faszinierend: ein alter Herr, in einer weißen, ordensgeschmückten Uniform sitzt an einem riesigen Schreibtisch, dabei, ein wichtiges Dokument zu unterzeichnen. Ihm zu Füßen hingestreckt liegt ein offenbar ermordeter Lakai. Wer ist das? Warum hat er den Diener umgebracht? Und wie? Womöglich mit dem prächtigen, vergoldeten Brieföffner? Da begann der vermeintlich Gemeuchelte leise zu schnarchen. Es war einer der Aufseher, der sein Mittagsschläfchen hielt.

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